SEKTIONEN

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© Marcella Ruiz Cruz

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© Jaka Babnik

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© Franz Johann Morgenbesser




INTERFACE

CONTEMPORARY NEW MEDIA AND DIGITAL ART

Die kuratierte Sektion „Interface – Contemporary New Media and Digital Art“ konzentriert sich auf digitale Kunst und Medienkunst. Ein Bereich, der für Kurator*innen, Institutionen, Galerien und Sammler*innen gleichermaßen interessant ist und neue und aufregende Möglichkeiten digitaler Technologien thematisiert. Neue Medien schaffen neue Optionen. Diese junge, multidisziplinäre und hybride Kunstform experimentiert mit künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten, Darstellungsformen und Wahrnehmungsweisen. Im globalen Spannungsfeld technologischer Fortschritte, wissenschaftlicher Diskurse und gesellschaftlicher Entwicklungen setzen sich alle Formen neuer Medienkunst mit dem Wandel moderner Kommunikation auseinander.

MARLIES WIRTH ist Kunsthistorikerin und Kuratorin in Wien und am MAK – Museum für angewandte Kunst tätig. Als Kuratorin für Digitale Kultur ist sie in die Konzeption der VIENNA BIENNALE eingebunden und leitet die MAK Sammlung Design. Sie kuratiert Ausstellungen in den Bereichen Kunst, Architektur, Design und Technologie, wie u. a. UNCANNY VALUES. Künstliche Intelligenz & Du (2019), ARTIFICIAL TEARS (2017) und das neue MAK DESIGN LAB. Sie ist Teil des kuratorischen Teams der internationalen Wanderausstellung Hello, Robot. Design between Human and Machine und Co-Direktorin des 12. Global Art Forum („I am not a Robot“) in Dubai und Singapur (2018). 2019 war sie die Kuratorin des offiziellen Österreich-Beitrags auf der XXII. Triennale di Milano und ist designierte Kuratorin des österreichischen Beitrags zur London Design Biennale 2021. Mit Fokus auf Konzeptkunst und kulturanthropologische Kontexte künstlerischer Produktion entwickelt sie auch unabhängige Ausstellungsprojekte und verfasst Texte und Essays für Publikationen.




PERSPEKTIVEN

EINE GESCHICHTE, VERSCHIEDENE SICHTWEISEN

Die kuratierte Sektion „Perspektiven“ bezieht sich symbolisch auf Akira Kurosawas Idee des Rashomon-Effekts. Der Begriff bezieht sich wiederum auf eine bestimmte Situation, in der ein Ereignis von den beteiligten Personen verschieden interpretiert oder beschrieben wird. Die eingeladenen Galerien präsentieren künstlerische Positionen, welche das Arbeitsumfeld Kunstschaffender reflektieren. Sei es durch kritische Hinterfragung von Identität, Geschlechterverhältnisse und wirtschaftliche Beziehungen oder bezogen auf Machtpolitik und Autoritarismen. Der rote Faden der Sektion kann – gerade auch angesichts der neuen Weltordnung nach der Pandemie – auch als Akt des symbolischen Widerstands verstanden werden und bezeugt zugleich die Sensibilität für Zeit und Raum.

Kunst ist unverzichtbar, wenn es darum geht, Leben und Lebensformen zu gestalten und zu verstehen. Der Blick auf die Welt durch das Prisma der Kunst wirkt wie ein Gegenmittel gegen die Gefühllosigkeit, in die wir als Individuen aufgrund der alltagsbeherrschenden Gewalt geraten sind. Kunst hilft uns, das größere Bild und den Zusammenhang der Dinge zu erkennen und dadurch Veränderungen sowie deren politischen, sozialen und ökonomischen Folgen zu antizipieren. Die Sektion „Perspektiven“ dient als erzählerisches Bindeglied zwischen den Galerien und den einzelnen künstlerischen Praktiken und definiert die sozialen und politischen Rahmenbedingungen, welche überhaupt erst das Nachdenken über Veränderungsprozesse ermöglichen.

TEVŽ LOGAR arbeitet als freier Kurator, Herausgeber und Autor. In seinem aktuellen kuratorischen Projekt When in Doubt, Go to a Museum werden Kunstwerke aus fünf bedeutenden Privatsammlungen zeitgenössischer Kunst präsentiert. Logar kuratierte und ko-kuratierte zahlreiche Gruppen- und Einzelausstellungen. Darunter den slowenischen Pavillon bei der 55. Biennale in Venedig, Ausstellungen und Projekte in New York, Montreal, Genf, Beirut, Budapest, Łódź und Berlin. 2019 war er bei der 58. Biennale in Venedig für den Pavillon der Republik Nordmazedonien als kuratorischer Berater tätig. Zwischen 2009 und 2014 war er künstlerischer Leiter der Škuc Gallery in Ljubljana. Logar ist Mitbegründer und Mitglied des Fachbeirats der Ulay Foundation (2014) in Amsterdam. 2014 wurde er in New York für den Gerrit Lansing Independent Vision Award für freie internationale Kuratoren nominiert. Tevž Logar lebt in Rijeka, Kroatien.




UTOPIA: POST-WAR

Diese von Sabine Breitwieser zusammengestellte Sektion widmet sich den offenen und multiplen Erzählungen über die Kunst der Nachkriegszeit. Ähnlich wie wir die Folgen des Zweiten Weltkriegs nach wie vor erleben und neue Erkenntnisse darüber gewinnen, ist auch die Betrachtung der Kunst dieser Periode im Fluss. Konzentrierte sich der Versuch, die Geschehnisse, Zerstörungen und Traumata zu erfassen und zu reflektieren, zunächst auf wenige involvierte Länder, ist dies längst zu einem globalen Projekt geworden. Nicht anders verhält es sich mit der Kunst dieser Periode, geprägt von einem tiefen Schock und schließlich im Aufbruch zu neuen Kunstformen, Netzwerken und Utopien.

Die Sektion „Utopia: Post-War“ umfasst sechzehn Solopräsentationen von lokalen und internationalen Galerien, die zu den ausgewählten Künstler*innen in einem engen Verhältnis stehen. Special Features über Experimentalfilm und Tanz der Nachkriegszeit erweitern die Ausstellung und thematisieren andere Vertriebsformen. Von einem Überblick über die Kunst der Nachkriegszeit ist diese Schau weit entfernt; ein Anspruch, der keineswegs auch einem nur auf Österreich gerichtetem Blick standhält. Entgegen aller Kanons und Systematiken werden, in Zeiten einer weltumspannenden Pandemie, Spotlights gesetzt.

SABINE BREITWIESER ist derzeit ein 2020/2021 Getty Scholar am Getty Research Institute in Los Angeles und lebt als Autorin und Kuratorin in Wien. Von 2013 bis 2018 war sie Direktorin des Museum der Moderne Salzburg. Zuvor, von 2010 bis 2013, leitete sie als Chefkuratorin das Department für Medien- und Performancekunst am Museum of Modern Art in New York. Von 1988 bis 2007 war sie Gründungsdirektorin und leitende Kuratorin der Generali Foundation in Wien. Breitwieser hat mehr als 150 monografische und thematische Ausstellungen in Europa und den Vereinigten Staaten kuratiert und geleitet sowie rund 100 Publikationen herausgegeben und zahlreiche Texte veröffentlicht. Im Jahre 2012 wurde ihr der Yoko Ono Lennon Courage Award for the Arts in New York verliehen.