SPARK CONVERSATIONS
Lilli Hollein über die Zukunft des Museums, die Kraft von Design und ihre Vision für das MAK – und das Privileg, jeden Tag ins Museum zu gehen
25. August 2026
Das MAK – Museum für angewandte Kunst ist ein besonderer Ort in Wien: ein Museum, in dem es immer wieder Neues zu entdecken gibt und das auch abseits der großen Ausstellungen überrascht. Seit 2021 leitet Lilli Hollein das Museum und hat es mit einem eigenständigen, vielfältigen Programm zu einem Ort gemacht, an dem Design, Kunst, Architektur und gesellschaftliche Fragen selbstverständlich zusammenkommen.
Im Gespräch geht es um die Rolle eines Museums in der Gegenwart, um die Verantwortung von Kulturinstitutionen und um die Frage, wie man ein Haus wie das MAK immer wieder neu denken und für unterschiedliche Perspektiven öffnen kann.
SPARK: Bitte erlauben Sie eine ganz einfache Frage zum Einstieg: Warum sollte man ins Museum gehen?
Lilli Hollein: Für mich persönlich kann ich das ganz einfach beantworten: weil es bereichert, weil es mich glücklich macht. Meine Familie kennt den Effekt und unterstützt daher alle Museumsbesuche. Aber ich habe ja sowieso das Privileg, jeden Tag ins Museum zu gehen.
SPARK: Wie verändern sich Museen und der Anspruch an sie in den letzten Jahren? Wie bleiben Museen als Orte des Bewahrens und Forschens, aber auch der Begegnung relevant in einer immer digitaler werdenden Welt?
Lilli Hollein: Ein Museum wie das MAK erfüllt diese Ansprüche und ist darüber hinaus auch ein aktiver Player in einer digitalen Welt und dem Diskurs dazu. Museen sind Orte, die die gesellschaftliche Entwicklung dokumentieren und verhandeln und wenn sie die richtige Form dafür finden und sie mit Haltung repräsentieren, verlieren sie nicht an Relevanz.
SPARK: Die Neupräsentationen im MAK wirken weniger wie abgeschlossene historische Kapitel, sondern eher wie Gespräche zwischen Epochen. Ist genau das Ihre Vorstellung eines zeitgenössischen Museums?
Lilli Hollein: Was uns ein Anliegen ist, in der Vermittlung unserer historischen Sammlungen, ist, sie an manchen Stellen mit der Gegenwart und der Realität unserer Besucherinnen in ein Verhältnis zu setzen. Unsere Design-Sammlung wiederum schaut an vielen Stellen mehr in die Zukunft, als in die Vergangenheit. Die Vielfalt und die Breite der Sammlung des MAK ist faszinierend und natürlich ist es uns ein Anliegen, dass diese Sammlungen miteinander kommunizieren.
SPARK: Was ist Ihr Lieblingsort im MAK? Was muss man im MAK gesehen haben? Ein „hidden treasure“ des MAKs?
Lilli Hollein: Unter der Lusterinsel mit Blick auf Magaret McIntoshs Fries kann man besonders atmosphärisch in einen Dialog mit sich selbst oder einem Museumsbuddy treten.
SPARK: Was raten Sie einer neuen Generation von Sammler:innen, die gleichermaßen an zeitgenössischer Kunst, funktionalem Design und High-End-Mode interessiert sind?
Lilli Hollein: Ich rate Ihnen eine Jahreskarte des MAK zu erwerben und in den MAK Shop zu kommen.
SPARK: Welche Ausstellung oder welches Projekt hat Sie in Ihrer bisherigen Laufbahn besonders geprägt – und warum?
Lilli Hollein: Meine erste Ausstellung als Kuratorin war „Memphis Design“ im Jahr 2002, in intesivem Austausch mit den Protagonistinnen der frühen Memphis Jahre und war schon das Resultat davon, dass mich Memphis als Kind sehr beeindruckt hat. Diese Kraft einer Designbewegung, die Diskussionen um Funktionalität und Ästhetik, das hat mich geformt und beeindruckt mich bis heute ungebrochen.
SPARK: Ihr Vertrag als Generaldirektorin des MAK wurde kürzlich bis 2031 verlängert. Wenn Sie den Blick nach vorne richten: Worauf darf sich das Publikum in den kommenden Jahren freuen, und welche inhaltlichen Schwerpunkte möchten Sie in den nächsten Jahren im MAK setzen?
Lilli Hollein: Die Bandbreite, die wir an Themen und Sammlungsgebieten haben, werden wir auch in den kommenden Jahren beibehalten, dabei Frauenbiografien besonders im Auge zu haben ebenso. In jedem Fall kann sich das Publikum auf ein Programm freuen, das so in keinem anderen Museum geboten wird.

Lilli Hollein
Generaldirektion des Museums für angewandte Kunst (MAK)

Dania Kwizda-Dejanoff
International Relations SPARK Art Vienna
