SPARK CONVERSATIONS

Über den Luxus, mit Kunst zu leben, und den Wunsch, einmal ein Museum zu bauen. Im Gespräch mit der Wiener Architektin Maria Planegger.

Von Dania Kwizda-Dejanoff

Danke der Künstlerin Sabine Hauswirth für die Fotos

17. September 2026

Maria Planegger und Dania Kwizda-Dejanoff, Werke: Herbert Brandl 1996, Magtha Jungwirth 2009 © Sabine Hauswirth, 2026
Maria Planegger zählt zu den renommiertesten Architektinnen Österreichs, ihre Architektur zeichnet sich durch das besondere Gespür für Raum, Materialität und Atmosphäre aus. Als Partnerin von A01 architects realisiert sie seit über 25 Jahren anspruchsvolle Wohn-, Hotel- und Gewerbeprojekte, die durch ihre klare Formensprache und hohe gestalterische Qualität überzeugen. Architektur versteht sie dabei nicht nur als funktionale Disziplin, sondern als kultureller Beitrag, der Menschen, Räume und Wahrnehmungen prägt.
 
Neben ihrer architektonischen Tätigkeit widmet sie sich mit großer Leidenschaft der zeitgenössischen Kunst und hat über knapp zwei Jahrzehnte eine Kunstsammlung aufgebaut, die ihr persönliches Interesse an zeitgenössischer Kunst und die Perspektive auf den Raum widerspiegelt. Architektur und Kunst ist für Maria Planegger untrennbar verbunden und prägt beruflich wie privat ihren Zugang zu Räumen und Gestaltung.

SPARK: Seit wann sammeln Sie Kunst und welche war Ihre erste Arbeit?

Maria Planegger: Ich sammle seit etwa 20 Jahren Kunst. Mit älter werdenden Kindern blieb neben Beruf und Familie wieder mehr Zeit sich der Kunst zu widmen. Das bedeutet nicht nur vermehrt Ausstellungen, Galerien oder Messen zu besuchen, sondern auch wieder mehr Inspiration, um Kunstwerke zu erwerben.

Meine erste Arbeit war der Beginn einer Leidenschaft, aus der über die Jahre eine Sammlung entstanden ist, die meine Persönlichkeit und meine Interessen widerspiegelt. Wobei sich diese Interessen auch wandeln können. Ich finde, der Kauf eines Kunstwerks muss immer ein bisschen „wehtun“. Es soll eine bewusste Entscheidung sein und einen gewissen Respekt vor dem Wert des Werkes widerspiegeln. Andere gönnen sich ein neues Auto oder eine Uhr, ich gönne mir eben ein Kunstwerk.

SPARK: Welche künstlerischen oder intellektuellen Kriterien haben Sie beim Erwerb eines Kunstwerks?

Maria Planegger: Ich bin eine emotionale Käuferin. Ein Werk muss mich berühren und mir einfach gefallen. Häufig entdecke ich zuerst eine Künstlerin oder einen Künstler, beschäftige mich dann intensiv mit dem Œuvre und sondiere erst dann, welche Arbeit für mich die richtige ist. Allein die Beschäftigung mit diesen Werken, ihrem Entstehen und den Geschichten dahinter sowie den Atelierbesuchen ist eine große Freude.

Natürlich muss ein Werk auch in meine Sammlung passen. Aber irgendwie entsteht das ganz natürlich. Manchmal kenne ich sogar schon den Platz, an dem das Bild später hängen oder stehen wird. Bei größeren Erwerbungen hole ich mir zusätzlich fachlichen Rat ein.

Maria Planegger, Werke: Erwin Wurm 2005, Louise Bourgeoise 2009, Tracy Emin 2007 & 2023, © Sabine Hauswirth, 2026

SPARK: Erinnern Sie sich an das erste Werk Ihrer Sammlung? Was hat Sie damals daran fasziniert?

 

Maria Planegger: Meine ersten Werke habe ich von Maria Lassnig und Kiki Kogelnik erworben, alles heimische Künstlerinnen. Bei meiner ersten Auktion ersteigerte ich eine Arbeit von Erwin Wurm, „Mies van der Rohe Melting“ von 2006. 

Das „schmelzende Hochhaus“ stellte den Bauboom und den Willen auf Höhe auf ironische, und auch humorvolle Weise, in Frage.
 

SPARK: Gibt es eine Künstlerin oder einen Künstler, die oder den Sie besonders verehren?

 

Maria Planegger: Ja, ich bin ein großer Fan von der Britin Tracey Emin.

Generell sammle ich vor allem Werke von Künstlerinnen. Vielleicht hat das auch mit meiner eigenen Lebensrealität zu tun: Ich bin berufstätige Frau und Mutter von drei Töchtern. Mein Blick ist allein deshalb stärker auf weibliche Perspektiven
und Lebensrealitäten gerichtet.
Ich schätze viele Künstlerinnen deren Lebenswege oft von besonderen Herausforderungen geprägt sind. Ihre Themen und Fragestellungen berühren mich oft auf einer sehr persönlichen Ebene. Sie mussten vielfach Hürden überwinden und sich ihren Platz in der Kunstwelt erkämpfen. Dadurch erscheinen ihre Biografien oft vielschichtiger, spannender und in ihrer Entwicklung besonders nachvollziehbar. Die Verbindung zwischen Lebenserfahrung und künstlerischem Schaffen wird dabei häufig sehr deutlich.
 
Eines der besten Beispiele dafür ist Marina Abramović. Ihr Werk lässt sich kaum verstehen, ohne ihre Biografie zu kennen. Ihre Performances sind eng mit ihren Lebenserfahrungen und ihrer persönlichen Geschichte verbunden.
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Marina Abramović 1975, Amoako Boafo 2023, Anish Kappor 2001 © Sabine Hauswirth, 2026
Maria Planegger, Werk: Toni Schmale 2025 © Sabine Hauswirth, 2026

SPARK: Gibt es eine aktuelle Neuentdeckung in der Kunst, die Sie besonders fasziniert?

Maria Planegger: Die deutsche Künstlerin Toni Schmale und die österreichsiche Malerin Maria Legat, zwei sehr unterschiedliche zeitgenössische Positionen, die mich faszinieren.

SPARK: Welche Architektinnen und Architekten bewundern Sie?

Maria Planegger: Ich bewundere viele Architektinnen und Architekten. Besonders faszinieren mich jene, die mit ihren Wohnhäusern und Villen Architekturgeschichte geschrieben haben. Über diese Projekte wird oft weniger gesprochen, weil sie privat sind, dabei haben gerade sie die Architektur nachhaltig geprägt und neue Maßstäbe gesetzt. Und dafür waren auch immer visionäre Bauherrinnen und Bauherren nötig!

John Lautner, Mies van der Rohe und Frank Lloyd Wright gehören für mich dazu. Und natürlich ist auch Zaha Hadid ein großes architektonisches Vorbild. Auch in Europa finden sich natürlich einige Beispiele. 
Maria Planegger und Dania Kwizda-Dejanoff, Werk: Maria Lassnig 1985 © Sabine Hauswirth, 2026

SPARK: Welche Gebäude sollte man in Wien gesehen haben? Und welche weltweit?

 

Maria Planegger: Wohnen ist eines meiner Themen.

Um Wien als Stadt richtig zu erleben, sollte man einmal um den Ring fahren oder mit der U6 fahren, um die Stadt in ihrer architektonischen Vielfalt zu erleben. 

Natürlich auch die Danube Flats an der neuen Donau – als neues Landmark der Stadt.

 

SPARK: Sehen Sie eine Verschiebung, wie die Gesellschaft heute Raum und Materialität wahrnimmt – insbesondere angesichts der zunehmenden Digitalisierung und Virtualisierung unseres Lebens?
 
 
Maria Planegger: Je virtueller unsere Welt wird, desto wichtiger wird die physische Erfahrung von Raum. Ein Museum ist nach wie vor ein Ort, den man real erlebt. Die Pinault Collection mit dem Palazzo Grassi und der Punta della Dogana zeigt das eindrucksvoll. Auch das MAK ist dafür ein gutes Beispiel.

Vieles, was in der digitalen Welt stattfindet, wird dortbleiben und keinen physischen Raum benötigen. Aber Menschen werden immer Orte brauchen, die Aufenthaltsqualität bieten, Begegnungen ermöglichen und sinnliche Erfahrungen schaffen. Oder man geht eben in den Wald spazieren.

Ich habe den Eindruck, dass Materialität, Handwerk und Qualität im Bauen heute wieder stärker geschätzt werden.

SPARK: Wie wird ein Zuhause zum Museum? Sollte ein Zuhause ein Museum sein?

Maria Planegger: Nein, ich möchte nicht in einem Museum leben.

Im Museum leben Bilder und Kunstwerke, aber keine Menschen. Als Sammlerin versuche ich hingegen, Kunst in mein Leben und meinen Alltag zu integrieren.

Gerade nicht mit der Distanz des Museums, sondern als Teil des täglichen Lebens. Mit diesen Werken zu leben und sich jeden Tag an ihnen erfreuen zu können, ist für mich ein großer Luxus. Aber als Architektin würde ich sehr gerne einmal ein Museum bauen – das wäre eine wunderbare Aufgabe.

Tracy Emin "In Bed with You" 2015 © Sabine Hauswirth, 2026

SPARK: Haben Sie einen Lieblingsort in Wien?

 

Maria Planegger: Im Theater, in der Oper oder bei einem Konzert. Diese Orte entspannen mich und geben mir neue Energie.

 

SPARK: Wenn Sie sich von allen Werken Ihrer Sammlung trennen müssten und nur eines behalten dürften – welches wäre es und warum?

 

Maria Planegger: Das Erste, das Letzte und das Teuerste.

SPARK: Welche Vision haben Sie für die Zukunft Ihrer Sammlung? Gibt es ein Werk oder eine Position, die Sie gerne noch erwerben würden?

Maria Planegger: Eine Sammlung ist nie zu Ende – sie ist ein Prozess und nichts Abgeschlossenes. Ich lasse mich immer gerne neu von Messen und Ausstellungen inspirieren.

Maria Planegger

Gründungspartner und Geschäftsführung A01 architects

Dania Kwizda-Dejanoff

International Relations SPARK Art Vienna