SPARK CONVERSATIONS
Über den Luxus, mit Kunst zu leben, und den Wunsch, einmal ein Museum zu bauen. Im Gespräch mit der Wiener Architektin Maria Planegger.
Danke der Künstlerin Sabine Hauswirth für die Fotos
17. September 2026
SPARK: Seit wann sammeln Sie Kunst und welche war Ihre erste Arbeit?
Maria Planegger: Ich sammle seit etwa 20 Jahren Kunst. Mit älter werdenden Kindern blieb neben Beruf und Familie wieder mehr Zeit sich der Kunst zu widmen. Das bedeutet nicht nur vermehrt Ausstellungen, Galerien oder Messen zu besuchen, sondern auch wieder mehr Inspiration, um Kunstwerke zu erwerben.
Meine erste Arbeit war der Beginn einer Leidenschaft, aus der über die Jahre eine Sammlung entstanden ist, die meine Persönlichkeit und meine Interessen widerspiegelt. Wobei sich diese Interessen auch wandeln können. Ich finde, der Kauf eines Kunstwerks muss immer ein bisschen „wehtun“. Es soll eine bewusste Entscheidung sein und einen gewissen Respekt vor dem Wert des Werkes widerspiegeln. Andere gönnen sich ein neues Auto oder eine Uhr, ich gönne mir eben ein Kunstwerk.
SPARK: Welche künstlerischen oder intellektuellen Kriterien haben Sie beim Erwerb eines Kunstwerks?
Maria Planegger: Ich bin eine emotionale Käuferin. Ein Werk muss mich berühren und mir einfach gefallen. Häufig entdecke ich zuerst eine Künstlerin oder einen Künstler, beschäftige mich dann intensiv mit dem Œuvre und sondiere erst dann, welche Arbeit für mich die richtige ist. Allein die Beschäftigung mit diesen Werken, ihrem Entstehen und den Geschichten dahinter sowie den Atelierbesuchen ist eine große Freude.
Natürlich muss ein Werk auch in meine Sammlung passen. Aber irgendwie entsteht das ganz natürlich. Manchmal kenne ich sogar schon den Platz, an dem das Bild später hängen oder stehen wird. Bei größeren Erwerbungen hole ich mir zusätzlich fachlichen Rat ein.
SPARK: Erinnern Sie sich an das erste Werk Ihrer Sammlung? Was hat Sie damals daran fasziniert?
Maria Planegger: Meine ersten Werke habe ich von Maria Lassnig und Kiki Kogelnik erworben, alles heimische Künstlerinnen. Bei meiner ersten Auktion ersteigerte ich eine Arbeit von Erwin Wurm, „Mies van der Rohe Melting“ von 2006.
SPARK: Gibt es eine Künstlerin oder einen Künstler, die oder den Sie besonders verehren?
Maria Planegger: Ja, ich bin ein großer Fan von der Britin Tracey Emin.
SPARK: Gibt es eine aktuelle Neuentdeckung in der Kunst, die Sie besonders fasziniert?
Maria Planegger: Die deutsche Künstlerin Toni Schmale und die österreichsiche Malerin Maria Legat, zwei sehr unterschiedliche zeitgenössische Positionen, die mich faszinieren.
SPARK: Welche Architektinnen und Architekten bewundern Sie?
Maria Planegger: Ich bewundere viele Architektinnen und Architekten. Besonders faszinieren mich jene, die mit ihren Wohnhäusern und Villen Architekturgeschichte geschrieben haben. Über diese Projekte wird oft weniger gesprochen, weil sie privat sind, dabei haben gerade sie die Architektur nachhaltig geprägt und neue Maßstäbe gesetzt. Und dafür waren auch immer visionäre Bauherrinnen und Bauherren nötig!
SPARK: Welche Gebäude sollte man in Wien gesehen haben? Und welche weltweit?
Maria Planegger: Wohnen ist eines meiner Themen.
Um Wien als Stadt richtig zu erleben, sollte man einmal um den Ring fahren oder mit der U6 fahren, um die Stadt in ihrer architektonischen Vielfalt zu erleben.
Natürlich auch die Danube Flats an der neuen Donau – als neues Landmark der Stadt.
Vieles, was in der digitalen Welt stattfindet, wird dortbleiben und keinen physischen Raum benötigen. Aber Menschen werden immer Orte brauchen, die Aufenthaltsqualität bieten, Begegnungen ermöglichen und sinnliche Erfahrungen schaffen. Oder man geht eben in den Wald spazieren.
SPARK: Wie wird ein Zuhause zum Museum? Sollte ein Zuhause ein Museum sein?
Maria Planegger: Nein, ich möchte nicht in einem Museum leben.
Im Museum leben Bilder und Kunstwerke, aber keine Menschen. Als Sammlerin versuche ich hingegen, Kunst in mein Leben und meinen Alltag zu integrieren.
Gerade nicht mit der Distanz des Museums, sondern als Teil des täglichen Lebens. Mit diesen Werken zu leben und sich jeden Tag an ihnen erfreuen zu können, ist für mich ein großer Luxus. Aber als Architektin würde ich sehr gerne einmal ein Museum bauen – das wäre eine wunderbare Aufgabe.
SPARK: Haben Sie einen Lieblingsort in Wien?
Maria Planegger: Im Theater, in der Oper oder bei einem Konzert. Diese Orte entspannen mich und geben mir neue Energie.
SPARK: Wenn Sie sich von allen Werken Ihrer Sammlung trennen müssten und nur eines behalten dürften – welches wäre es und warum?
Maria Planegger: Das Erste, das Letzte und das Teuerste.
SPARK: Welche Vision haben Sie für die Zukunft Ihrer Sammlung? Gibt es ein Werk oder eine Position, die Sie gerne noch erwerben würden?
Maria Planegger: Eine Sammlung ist nie zu Ende – sie ist ein Prozess und nichts Abgeschlossenes. Ich lasse mich immer gerne neu von Messen und Ausstellungen inspirieren.

Dania Kwizda-Dejanoff
International Relations SPARK Art Vienna

